Der neue Integrationsnachweis: Sprache, Kultur und Geschichte
Das im Jahr 2026 in Kraft tretende Gesetz führt eine Integrationspflicht ein, sodass die meisten Antragsteller auf Einbürgerung nun Kenntnisse der portugiesischen Sprache, Kultur, Geschichte und der nationalen Symbole sowie der bürgerlichen Rechte und Pflichten nachweisen müssen. Zudem ist eine Erklärung über die Anerkennung demokratischer Grundsätze zu unterzeichnen.
Dieser Aspekt der Reform zählt zu den am wenigsten verstandenen, weshalb es sich lohnt, zwischen dem gesetzlichen Wortlaut, den Erwartungen von Expert:innen und den noch offenen Fragen zu unterscheiden.
Was das Gesetz nun verlangt
Das Gesetz verlangt ausreichende Kenntnisse der portugiesischen Sprache und Kultur, der Landesgeschichte und der nationalen Symbole sowie der grundlegenden Rechte, Pflichten und der politischen Organisation des Staates. Für den Sprachnachweis gilt standardmäßig das CIPLE auf A2-Niveau. Staatsangehörige portugiesischsprachiger Länder sind von diesem Nachweis befreit.
Die Erklärung über die Anerkennung ist ein neuer, separater Schritt, der ehrenwörtlich abgegeben wird und die Achtung der Verfassung sowie demokratischer Werte bestätigt.
Was Expert:innen erwarten
Fachanwält:innen für Einwanderungsrecht gehen von einer standardisierten staatsbürgerlichen Komponente aus, die portugiesische Geschichte, Kultur, Institutionen, nationale Symbole und demokratische Werte umfasst und voraussichtlich als Test parallel zur Sprachprüfung auf A2-Niveau durchgeführt wird. Mehrere Kommentator:innen vergleichen dies mit den bereits in anderen europäischen Ländern etablierten Staatsbürgertests und weisen darauf hin, dass es sich um eine moderate verwaltungstechnische Maßnahme handeln würde.
Analyst:innen betonen zudem, dass die Reform die Verantwortung für die Gestaltung und Durchführung einer fairen und transparenten Bewertung bei den Behörden ansiedelt, statt sich allein auf die Dauer des Aufenthalts zu stützen.
Was noch unklar ist
Ungeklärt bleibt, wie der Nachweis der kulturellen und historischen Kenntnisse erfolgen wird – ob durch eine schriftliche Prüfung, ein Gespräch oder eine andere Form, da die Regierung dies noch nicht definiert hat.
Die Durchführungsverordnung, die innerhalb von 90 Tagen nach Inkrafttreten des Gesetzes erwartet wird, soll den Ablauf festlegen. Bis dahin wissen Antragsteller:innen, die sich auf diese Anforderung vorbereiten, nicht genau, worauf sie sich einstellen müssen.
Ein weiteres, dringlicheres Anliegen von Bewohner:innen und ihren Berater:innen betrifft die Tatsache, dass die Aufenthaltsdauer nun erst ab Ausstellung der Aufenthaltserlaubnis gezählt wird. Personen, die jahrelang auf ihre Aufenthaltskarte in einem überlasteten System gewartet haben, fühlen sich für Verzögerungen bestraft, die nicht in ihrer Verantwortung lagen.
Rechtsexpert:innen gehen davon aus, dass dies zu einem der umstrittensten Punkte der Reform werden könnte, obwohl der Präsident betonte, dass staatliche Verzögerungen nicht zu Lasten der Antragsteller:innen gehen dürfen.
Wie Sie sich jetzt vorbereiten können
Beginnen Sie frühzeitig mit dem Spracherwerb, da die Zertifizierung Wochen in Anspruch nimmt und unbefristet gültig ist. Zudem sollten Sie sich aktiv mit der portugiesischen Geschichte und Kultur vertraut machen, statt auf die genaue Prüfungsform zu warten. Portugiesischsprachige Staatsangehörige sind von der Sprachprüfung befreit, doch die kulturellen, historischen und staatsbürgerlichen Anforderungen gelten für alle. Die Reform zielt eindeutig auf eine stärkere Integration ab, nicht auf eine Lockerung der Kriterien.
Beobachten Sie die Veröffentlichung der Durchführungsverordnung, da diese den Ablauf festlegen wird. Die Sprachzertifizierung können Sie bereits jetzt erwerben, während die weiteren Anforderungen noch definiert werden.